Natur- und Walderleben

 

In unserer schnelllebigen, konsumorientierten Zeit erleben Kinder ihr Lebensumfeld zunehmend unzusammenhängend, verplant und in „geschlossenen“ Räumen. In Bezug auf kindliche Bildung liegt das Augenmerk vermehrt auf der Förderung von kognitiven Fähigkeiten. Dabei wird aus den Augen verloren dass, bei aller Bedeutung der Ausbildung von Teilfertigkeiten, Bildung auf Lebensganzheit bezogen- vor allem auf Sinn- stiften und Sinn- erleben angewiesen ist- wenn sie für das Handeln im Lebenszusammenhang von Bedeutung sein soll.

Handlung ist aber nur durch Bewegung möglich. Bewegung bedeutet für Kinder einen wesentlichen Zugang zur Welt. Kinder kommen in Bewegung, mit dem Ziel, Wissen über ihre Umwelt zu erlangen. Wissen, welches auf eigenen selbstständig gewonnenen Erlebnissen basieren muss und nicht aus zweiter Hand erworben werden kann.

Kinder haben das Bedürfnis, die Welt zu verstehen. Sie wollen sich ihrem Thema mit ihrem Körper, all ihren Kräften, Fähigkeiten und Gefühlen widmen. Sie möchten zu einem ganzheitlichen Verständnis von Sachverhalten, Vorgängen und Zusammenhängen kommen. Sie möchten ihr Thema in vielen Facetten und unterschiedlichen Erlebnisqualitäten, im wahrsten Sinne der Worte, er- leben und be- greifen.

Dabei ist das Spiel die alles beherrschende Form der kindlichen Weltaneignung. Als freie ganzheitliche Selbst-Bewegung des Kindes ermöglicht das Spiel die Selbst-Entwicklung. Im Spiel kann das Kind die äußeren Gegebenheiten in seine psychischen Strukturen integrieren.

Kinder können im Wald Natur und Gemeinschaft erleben oder sich zurückziehen. Sie können sich in einem großen Aktionsradius bewegen, etwas herstellen und gestalten. Sie können Abenteuer erleben und Risiken eingehen, spielen und entdecken, Freiheit spüren und Grenzen erfahren und somit vor allem elementare Erfahrungen mit körpernahen Sinnen erleben. In der körperlich- sinnlichen Auseineinadersetzung mit der Natur und ihren Phänomenen sammeln die Kinder authentische Erfahrungen über ihren Körper, sowie ihre soziale und materielle Mitwelt, durch entwicklungsadäquate Eindrücke. Da die sinnlichen Einflüsse in der Natur auf elementare und ursprüngliche Grundelemente beschränkt sind, werden die kindlichen Sinne trotz des vielfältigen Reizangebotes nicht überlastet. Die Vielfalt der möglichen, wählbaren motorischen Herausforderungen und sinnlicher Empfindungen, können jedem Kind individuell gerecht werden. Jedes Kind kann nach seinen eigenen Fähigkeiten entsprechende Schwierigkeitsgrade auswählen und sich somit in seinem eigenen individuellen Rhythmus entfalten. Dabei liegt für mich die besondere Qualität des Waldes in seiner Großräumigkeit, seiner funktionalen Unbestimmtheit und seiner Gestaltbarkeit.

Es ist nur mit großem Aufwand und, auch dann, nur unvollkommen möglich, solche ganzheitlichen Bedingungen zum unmittelbaren, selbsttätigen Erleben der eigenen Körperlichkeit und zum Ergründen der eigenen Lebenswelt, in Räumen oder auch Außengeländen/ Spielplätzen zu schaffen.

Außerdem fördert der Aufenthalt in der Natur, bei jeder Witterung, die Gesundheit und stärkt das Immunsystem. Schließlich- und dieser Aspekt ist nicht zu vernachlässigen- befriedigt die Natur die menschliche Sehnsucht nach Schönheit auf vielfältige Weise. Alle Sinne sind beteiligt an dieser großen Schönheitserfahrung, die einer der Hauptgründe ist, weshalb wir uns in der Natur so glücklich fühlen.

 

Wenn Ihr mehr über mein pädagogisches Denken und Handeln erfahren möchten, schaut hier: www.grin.com/de/e-book/207770/der-wald-als-heilpaedagogischer-handlungsraum-in-der-kindlichen-entwicklungsbegleitung